Politik, darüber spricht man in Niedergösgen nicht gerne. Besonders nicht auf der Strasse. Die bevorstehende Wahl des neuen Gemeindepräsidenten ist dennoch allgegenwärtig im Dorf und gerade auch am Strassenfest, das am Wochenende stattfand. Viele schweigen jedoch lieber, als dass sie sich klar für einen der beiden Kandidaten aussprechen würden.

«Dazu möchte ich mich nicht äussern», lautet die häufigste Antwort. Die Unzufriedenheit ob der politischen Entwicklungen und vergangenen Wahlen sowie die Politikverdrossenheit seien noch immer gross, meint ein Niedergösger beim Vorbeilaufen. Anhalten, ein Gespräch führen, das tun nur wenige. Und auch sie wollen lieber anonym bleiben.

«Es steht fifty-fifty»

Die meisten haben sich jedoch bereits für einen Namen entschieden und diesen auf den Stimmzettel geschrieben. Das empfinden auch die beiden Kandidaten so. Beide haben einen eigenen Stand am Strassenfest und suchen den Kontakt zur Bevölkerung. «Die Meinungen sind gemacht, das spüre ich», sagt der Bauunternehmer Andreas Meier. Sein Stand lockt dutzende Kinder an: Denn sie dürfen Bauarbeiter spielen dem kleinen Bagger der Andreas Meier AG. Meier ist sich seiner Wähler sicher. Dennoch: «Es steht fifty-fifty.»

Der CVPler Roberto Aletti wurde von den Parteien unterstützt.

Der CVPler Roberto Aletti wurde von den Parteien unterstützt.

Dem stimmt auch Roberto Aletti zu, an dessen Stand fast ausschliesslich Parteimitglieder von SVP, FDP, CVP und SP anzutreffen sind. «Ich fühle mich immer noch im Rennen, aber keineswegs siegessicher», sagt Aletti. Er begrüsse aber die anregenden Gespräche, die er mit den Niedergösgern an seinem Stand führen könne. Rückendeckung bekommt der 62-Jährige von den Ortsparteien.

Der parteilose Andreas Meier setzte auf den Baggerspass für die Kinder.

Der parteilose Andreas Meier setzte auf den Baggerspass für die Kinder.

Sepp Meier, SVP-Vorstandsmitglied, empfindet die Standaktion am Strassenfest als gelungen: «Das Interesse bei der Bevölkerung ist gross. Viele kommen vorbei, wollen Roberto Aletti kennenlernen und stellen Fragen.» Meier vertraut auf den Politikneuling: Er sei zwar kein geborener Politiker, fachlich könne Aletti aber überzeugen, meint Meier.

Zwei Wochen bis zur Abstimmung

Beide Kandidaten für das Amt des Gemeindepräsidenten legen sich zwei Wochen vor dem Abstimmungssonntag nochmals ins Zeug. Eigentlich wollen sie besonders die Kritiker für sich gewinnen, scheinen doch bei den anderen die Meinungen bereits festzustehen. Jedoch: Auf Anfrage sagen sowohl Meier als auch Aletti, dass sie kaum Kritiker an ihren Ständen antreffen würden. Andreas Meier unterhält sich an seinem Stand mit den ihm wohlgesinnten Niedergösgern, deren Kinder gerade fleissig im Kies herumbaggern.

Und Roberto Aletti schüttelt Hände, stellt sich vor, verteilt Flyer, während die Kinder und Eltern nur Augen für die farbigen, mit Helium gefüllten Ballone haben. «Wissen Sie, wenn ich einem Kind einen Ballon mit meinem Namen drauf ans Handgelenk binde, dann schwebt dieser auf Kopfhöhe der Erwachsenen durch die Strassen», erklärt Aletti schmunzelnd seine Wahlkampfaktion. Über die Kinder die Erwachsenen ins Boot holen: Darauf scheinen beide Kandidaten zu setzen.